"Diese Art von Maschine befände sich also nicht zu
jedem Zeitpunkt in einem festgelegten Zustand, den man kennen kann, sondern
in einer Überlagerung vieler Quantenzustände." "Ja, sie ist genau wie ein
Elementarteilchen, das einen Spin auf oder einen Spin ab haben könnte. Es
ist in beiden Zuständen gleichzeitig..." "Bis es jemand beobachtet", sagte
ich, "und die Wellenfunktion in den einen oder anderen Zustand kollabiert.
So macht man bei einer Saunt-Grod-Maschine vermutlich am Ende irgendeine
Beobachtung..." "Und die Wellenfunktion der Maschine kollabiert in einen
bestimmten Zustand - was dann die Lösung ist."
Neal Stephenson zum Quantencomputer und dessen Anwendung
zur Routenoptimierung
in seinem Roman "Anathem" (im Jahre 3690 auf dem Planeten Arbre)
Superposition, Verschränkung und Kollaps
Der Gesamtzustand eines quantenmechanischen Teilchensystems ist eine Superposition
von Zuständen. Die Superposition lässt sich als Element des Hilbert-Raumes
darstellen und exakt berechnen, sie wird auch "Wellenfunktion" genannt,
das ist hier nur eine andere Bezeichnung, die niemanden verwirren sollte.
Zwei Zustände können auch miteinander verschränkt sein, d.h. sie können
nicht als Produkt dargestellt werden (Formale
Grundlagen, Produkträume). Ein Messvorgang läßt die Superposition
kollabieren, d.h. die Messung wird nur einen einzigen Zustand zeigen -
nicht etwa berechenbar, sondern zufällig ("Schrödingers Katze").
Hat man es mit zwei verschränkten Teilchen zu tun und misst man den Zustand
eines der beiden verschränkten Teilchen, so ist unverzüglich
auch der Zustand des anderen beliebig weit entfernten Partner-Teilchens
bestimmt. Superposition, Kollaps*) derselben und Verschränkung haben
schier unglaubliche rätselhafte Effekte. Diese Rätsel sind beunruhigend
und provozieren den Menschenverstand.
Ein Quantencomputer könnte Superposition und Verschränkung praktisch
ausnutzen und massiv parallel rechnen. Es genügt aber nicht, im Hilbert-Raum
parallel rechnen zu lassen, man muss auch die gewünschte Information in
unsere Alltagswelt transferieren und das ist
- d e r s p r i n g e n d e P u n k t :
Ein Quantenalgorithmus muss so arbeiten, dass der Ergebniszustand die Wahrscheinlichkeit eins hat
und alle anderen null. Eine Messung würde dann genau das gewünschte Ergebnis liefern.
Bei einer Routenoptimierung zum Beispiel würde der Quantenalgorithmus demjenigen Zustand,
der der optimalen Route entspricht, die Wahrscheinlichkeit eins verleihen.
Ein Quantencomputer würde bisherige Computer in
den Schatten stellen. Wir sind vielleicht schon ganz
nahe dran, jetzt im 21. Jahrhundert auf dem Planeten Erde. Seit den
1990er Jahren gibt es vielversprechende Experimente - manchmal aber beschleicht
mich noch das Gefühl, die Sache könnte ein Griff nach den Sternen sein
und so ausgehen wie die Suche nach dem Perpetuum Mobile.
*) "Der Begriff Kollaps wird zweifellos seinen Nutzen
als Rechenrezept behalten, aber ein warnender Kommentar, der verdeutlicht,
dass es sich dabei wahrscheinlich nicht um einen fundamentalen Vorgang
handelt, der die Schrödinger-Gleichung verletzt, könnte klugen Studenten
stundenlanges Grübeln ersparen."
Max Tegmark und John Archibald Wheeler, ”100 Jahre Quantentheorie“, Spektrum
der Wissenschaft April 2001, S. 68-76.
Einige Links:
- www.ap.univie.ac.at/users/fe/Quantencomputer
Genaue Beschreibung des Prinzips. Von Franz Embacher
(Diese Seiten nicht mit dem Firefox angucken ausnahmsweise)
- Der Quantencomputer
Kurze Darstellung der Grundlagen, auch für Laien
- http://www.heise.de/ct/artikel/Quaentchen-fuer-Quaentchen-286476.html
"Bilden ein paar Qubits eine Superposition von Zuständen, dann sind
sie nicht mehr unabhängig voneinander. Sie beeinflussen sich gegenseitig
und verändern die Wahrscheinlichkeitsamplituden ihrer Zustände. Wie
Wasserwellen, deren Amplituden sich durch Interferenz verstärken oder
auslöschen, können Operatoren Wahrscheinlichkeitsamplituden der Qubit-Zustände
ändern.
Ein Quantenalgorithmus muß diese Operatoren so einsetzen, daß der Zustand,
der zum Beispiel das Ergebnis eines Suchalgorithmus enthält, die Wahrscheinlichkeit
eins hat und alle anderen durch Interferenz den Wert null. Eine Messung
führt dann zwangsläufig zu diesem Ergebniszustand." (c't 16/1998)
- Cold Numbers Unmake
the Quantum Mind
"Sir Roger Penrose is incoherent and Max Tegmark says he can prove
it... Penrose (was) speculating in a popular book called 'The Emperor's
New Mind' that brain might be acting like a quantum computer." (Ein
Artikel in Science auf der Website von Max Tegmark)
- Ist
die Quantentheorie des Bewusstseins Humbug?
"Der amerikanische Bewusstseinsforscher Stuart Hameroff und der britische
Mathematiker Roger Penrose haben in den neunziger Jahren eine Theorie
entwickelt und vorgestellt, wonach sich Bewusstsein durch den Kollaps
der Wellenfunktion in den Mikrotubuli des Gehirns erklären ließe. Ein
bewusstes Ereignis entstehe, wenn sich dieser Kollaps der Wellenfunktion
in vielen Neuronen über das gesamte Gehirn verteilt 'global und holistisch'
einstelle. Hameroff und Penrose sprechen von einer 'orchestrierten objektiven
Reduktion' (der Quantenwelt in die klassische Welt)." (TP, 6.2.2002)
Nachtrag (15.1.2011):
Als im April 2001 diese Seite ins Netz gestellt wurde,
gab es noch keinen Artikel in der Wikipedia.
Aber es gab schon Bücher, etwa diese:
- Roger Penrose:
Computerdenken - Des Kaisers neue Kleider oder die Deabatte um Künstliche
Intelligenz und die Gesetze der Physik. Amerikanische Erstausgabe: 1989,
Originaltitel: The emperor's new mind.
- Roger Penrose:
Schatten des Geistes.: Wege zu einer neuen Physik des Bewusstseins.
Englische Erstausgabe: 1994, Originaltitel: Shadows of the mind.
Einige Artikel
- Auf dem Weg zum Quantennetz (29. 12. 2009)
"In den nächsten 20 Jahren könnte die Quanteninformatik den Handel mit
Informationen, das Backbone unserer Wirtschaft, radikal verändern –
und nebenbei auch noch das Problem mit dem Falschgeld lösen. Die technischen
Grundlagen sind inzwischen weitgehend ausgearbeitet.... Im Prinzip sind
damit alle Komponenten für einen sicheren Informationshandel, wie Jeff
Kimble es nennt, vorhanden: Qubits, Verschränkung und Teleportation.
Die Herausforderung besteht nun darin, sie zu einem lückenlosen Netzwerk
zusammenzufügen." behauptet die Technology
Review.
- Wo bleibt der Quantencomputer? (7. 6. 2009)
"Spätestens seit Peter Shor 1994 seinen Faktorisierungs-Algorithmus
für Quantenrechner vorstellte, erwachte das Interesse an der Technologie,
die das Potenzial hatte, bis dato existierende Kryptotechniken mit einem
Schlag obsolet zu machen. Doch unter den Schreibtischen steht heute
noch immer Siliziumtechnik - warum braucht der Quantencomputer so lange?
In einem Artikel im Wissenschaftsmagazin Science argumentieren Philip
Hemmer von der Texas A&M University und Jörg Wrachtrup von der Universität
Stuttgart, dass der Quantenrechner zum einen längst da ist - und zum
anderen in ganz anderer Form kommt, als wir damals erwarteten."
Telepolis-Interview
mit Jörg Wrachtrup.
- Geballte Intelligenz der Atome (14. 3. 2005)
"... Jetzt will auch das Pentagon die Entwicklung des Quantencomputers
energisch vorantreiben. Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung, so die
Hoffnung, werde es möglich sein, binnen weniger Jahre einen ersten primitiven
Prototypen zu bauen, dessen Eigenschaften sich dann auch praktisch erkunden
lassen. Damit sind nun die Experimentatoren gefragt. Es geht nicht länger
darum, ob sich ein Quantencomputer bauen lässt, sondern vielmehr darum,
wie und wann." behauptete "Der Spiegel" in seiner wilden Titelstory
im Heft 11/2005 (siehe auch: SPIEGEL-ONLINE-Suche).
- Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer (2. 1. 2003)
Die Online-Zeitschrift "TELEPOLIS" berichtet ausführlich über
Ionenfallen
als Bausteine für künftige Quantencomputer. Allmählich
sickert das Thema in den Bereich der Medien ein, die Entwicklung scheint
rasant weiterzugehen.
© 19. April 2001 (Upd: 15.1.2011) by Josef Gräf, Die
Erfindung des Quantencomputers